Arbeitsblatt „Selbstbestimmung trotz Hierarchie“ in der Gelassenheits-Toolbox

* Alle AbonnentInnen finden das Arbeitsblatt unter ihrem persönlichen Toolbox-Link.

Heute geht es um das Gesprächsthema Nummer eins unter wohl den meisten Kollegen: „die da oben“. Damit sind alle gemeint, die in der Hierarchie über Dir stehen. Je nachdem, wo Du stehst, sind das Projektleiter, Teamleiter, Gruppenleiter, Abteilungsleiter, eben alle Vorgesetzten, Chefs, bis hin zum Geschäftsführer.

Wenn es bei Euch vermeintlich „flache Hierarchien“ gibt – das steckt ja im Begriff mit drin – Hierarchien gibt es trotzdem. ;) Und auch die steigende Anzahl von Unternehmern, die heute mit hierarchie- oder cheflosen Unternehmen experimentieren, bleiben in der Minderheit: Die Realität sieht heute in den meisten Unternehmen, vor allem in den größeren, noch so aus, dass Hierarchien vorhanden sind und dass sie oft sogar sehr detailliert angelegt, stark durchstrukturiert sind und vor allem vertikal funktionieren: Einer steht über dem anderen.

Die da oben: Katastrophe! 3 Fragen für mehr Selbstbestimmung [GG#21] Signature Bild

Hier geht es um Macht, um Entscheidungsmacht, um Weisungsbefugnisse, auch um mehr Verantwortung und natürlich um Geld … Und die da oben sind vielleicht auch bei Dir und bei Deinen Kollegen oft ein Gesprächsthema, weil sie vieles falsch machen. Wir meckern gerne über die da oben. Typische Sätze im deutschen Büroalltag lauten:

  • „Die haben ja keine Ahnung!“
  • „Die machen doch eh, was sie wollen!“
  • „Die wissen gar nicht richtig, was wir hier abgeht!“

Ich war selbst vor vielen Jahren in der Situation, einen Chef zu haben, an dem ich kein gutes Haar lassen konnte. In meinen Augen hatte er einfach alles falsch gemacht. Und natürlich habe ich mich regelmäßig über ihn ausgelassen. Wie Du aus der Podcast-Folge über das Jammern schon weißt, bringt es Dich nicht wirklich weiter, Dich ständig über die da oben aufzuregen. Die Vorgesetzten machen ja weiterhin das, was sie wollen und was sie für richtig halten. Und wir können weiter meckern und uns weiter unglücklich reden. Das hat kein Ende; zumindest kein gutes. ;)

Ein kluger Selbstbetrug unseres Egos

Wenn wir über die da oben meckern, dann hat das aber einen Vorteil: Wir müssen uns nicht mit uns selbst beschäftigen. Ein kluger Selbstbetrug unseres Egos! Wir suchen die Fehler einfach bei anderen, um uns selbst besser zu fühlen. Hast Du schon mal in einer solchen Situation gesteckt? Dann weißt Du: Es verschafft vielleicht kurz Abhilfe, sich aufzuregen, aber so richtig besser macht es Deinen Berufsalltag nicht.

Wenn Du wirklich daran interessiert bist, Deinen Arbeitsalltag zu verbessern, dann fängt Du am besten bei Dir an. Du kannst die anderen nicht ändern – schon gar nicht, wenn Du hinter dem Rücken über die herziehst – aber Du kannst Dich selbst ändern. Und dazu habe ich Dir heute drei Fragen mitgebracht, die Dir Erleichterung bringen sollen, wenn Du Dich oft über die da oben aufregst:

  1. Welchen Kampf musst Du kämpfen?
  2. Was sind gute Gründe für das Handeln der anderen?
  3. Welche Hierarchien kannst Du akzeptieren?

Wenn Du Lust hast, lade Dir das Arbeitsblatt zu dieser Folge in der Gelassenheits-Toolbox herunter und mach’ Dir Notizen, während wir uns die einzelnen Fragen im Detail anschauen.

#1 Welchen Kampf musst Du kämpfen?

In einem Buch von Byron Katie habe ich vor Kurzem gelesen (sinngemäß):

Jeder Kampf, den wir glauben mit anderen zu führen – jedes Missverständnis, jedes Unverständnis, all die Enttäuschung, der Ärger, vielleicht auch die Traurigkeit – ist eigentlich ein Kampf, den wir gegen uns selbst führen. Statt anzunehmen, was ist, gehen wir in den Widerstand und lehnen uns gegen etwas auf, das wir nicht verändern können.

Welchen Kampf kämpfst Du vielleicht nur gegen Dich selbst? Und könntest Du ihn nicht einfach hinter Dir lassen? Welche Deiner Kämpfe sind bloß Zeitfüller, weil Dein Job Dich unterfordert oder weil er Dich nicht glücklich macht? Wo kämpfst Du also nur, um zu kompensieren?

#2 Was sind gute Gründe für das Handeln der anderen?

Wenn Du Dich über die da oben aufregst, bist Du im Negativen unterwegs. Wenn ich mich zurückerinnere, wie das bei mir war, wenn ich gedacht habe, ich mache einen guten Job und mein Chef nimmt das überhaupt nicht wahr, dann waren da Gefühle wie Enttäuschung, Frust, auch Ärger. Die ganze Zeit habe ich gedacht: Warum sieht er das nicht? Der kann mich nicht leiden! Der hat ja nur seine Lieblinge. Der brennt mich nur aus. Es kamen negative Gedanken und schlechte Gefühle auf. Vielleicht kannst Dich da reinversetzen.

Meine Frage für Dich lautet also: Was sind gute Gründe für das Handeln der anderen? Gesucht werden also Gründe, die für Dich, für Dein Team oder für das Unternehmen gut sein könnten; Gründe, die eben nicht zerstörerisch sind; Gründe, die keine schlechten Gefühle erzeugen. Welche Dinge kannst Du finden, die dafür sprechen, wie die da oben sich verhalten?

In meinem Beispiel – „Mein Chef sieht gar nicht, was ich leiste!“ – könnte das sein:

  • Er sieht es, kann es aber nicht ausdrücken.
  • Es sieht es, möchte mich aber nicht vor den anderen loben, damit meine Kollegen sich nicht benachteilig fühlen.
  • Er sieht es nicht, weil er unter großem Druck steht. Weil er einen Auftrag ranschaffen muss, um unsere Gehälter zu sichern
  • Er sieht es nicht, weil er mit dem Kopf ganz bei seiner schwangeren Frau ist.

Also es gibt viele Gründe, die zum einen nichts mit uns zu tun haben und zum anderen wirklich gute Gründe sind, warum die die oben so handeln wie sie handeln.

#3 Welche Hierarchien kannst Du akzeptieren?

Wenn Du meinen Podcast oder Blog schon länger verfolgst, weißt Du, dass ich absolut für Selbstbestimmung und Autonomie bin; dafür, dass man ausspricht, was einen bewegt, auch ausspricht, was einen stört. Aber es liegt in der Natur von Hierarchie im Unternehmen, dass es auch Grenzen gibt, die Du in einer bestimmten Position nicht überschreiten kannst. Und Du hast ja irgendwann mal die bewusste Entscheidung getroffen, dass Du so arbeiten willst: angestellt, in einer bestimmten Position. Zu einem solchen Anstellungsverhältnis gehört die Hierarchie dazu.

Meine dritte Frage an Dich lautet also: Kannst Du das akzeptieren? Oder anders: Welche Hierarchien kannst Du akzeptieren? Und diese Frage hat es in sich. Nimm Dir dafür Zeit, setz’ Dich hin und überleg’ Dir:

  • Was willst Du erreichen, was willst Du gestalten, was erwartest Du?
  • Und womit kannst Du leben? Was musst Du nicht aufbrechen?

Die da oben: Katastrophe! 3 Fragen für mehr Selbstbestimmung

Dabei – und auch bei den anderen Fragen – hilft Dir das Arbeitsblatt zu dieser Folge. Dort kannst Du alle drei Fragen in Ruhe beantworten. Das Arbeitsblatt findest Du (zusammen mit vielen weiteren nützlichen Selbstcoaching-Tools) in der kostenfreien Gelassenheits-Toolbox.

Und jetzt interessiert mich: Welche Erfahrungen hast Du mit „denen da oben“ gemacht? Wo gerätst Du immer wieder an Deine Grenzen? Und welchen Kampf glaubst Du tatsächlich kämpfen zu müssen?