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Wenn es bei Dir im Job nicht rund läuft, kennst Du vielleicht diesen Gedanken an einen Jobwechsel, an Kündigung und Neubeginn. Genau darum geht es heute. Wann ist ein Jobwechsel eigentlich sinnvoll und welche Alternativen gibt es, um Deinen Berufsalltag leichter und gelassener zu gestalten?

Nichts wie weg! Warum ein Jobwechsel kein Allheilmittel ist [GG#24] Signature Bild

Warum erscheint der Jobwechsel so attraktiv?

Der Gedanke, zu kündigen und irgendwo ganz neu anzufangen, ist für viele Menschen sehr attraktiv: Die verfahrene berufliche Situation hinter sich lassen und in einem anderen Umfeld (das nicht vorbelastet ist) nochmal neu, nochmal positiv, nochmal mit Schwung und Energie starten. Der große Reiz daran geht meiner Meinung nach darauf zurück, dass der Jobwechsel ein relativ „einfacher“ Weg ist, mit Problemen umzugehen.

Damit will ich gar nicht in Abrede stellen, dass es natürlich auch Kraft kostet, erstmal wieder einen anderen Job zu finden! Aber es ist ein „einfacher“ Weg, weil Du, wenn Du kündigst und gehst, alle Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, all die ätzende Arbeit, die Du nicht mehr machen willst, hinter Dir lässt. Du musst Dich nicht mehr mit den Menschen auseinandersetzen, mit denen es schwer läuft, und Du musst Deine Arbeit, die Dich so genervt hat, einfach nicht mehr machen; die übernimmt jetzt jemand Neues, der an Deine Stelle tritt.

Gehen und neu beginnen ist immer auch ein Stück Flucht vor den vorhandenen Problemen.

Gehen und neu beginnen ist immer auch ein Stück Flucht vor den vorhandenen Problemen. Und das meine ich gar nicht abschätzig: Flucht kann eine gesunde Reaktion sein, vor allem wenn Du Dich in einem Arbeitsumfeld befindest, in dem es keinen anderen Lösungsweg gibt. Manchmal ergreifen wir die Flucht aber zu schnell statt hinzuschauen: Wie kann ich meine Situation eigentlich verbessern?

Der Jobwechsel erscheint vielen von uns sehr attraktiv. Aber gleichzeitig fürchten wir den Schritt auch und kündigen eben doch nicht so schnell. Einige meiner Klienten hadern sehr lange damit, dass sie sich in ihrer beruflichen Situation unwohl fühlen und sie am liebsten verlassen würden; sie denken ständig über Kündigung und Neubeginn nach, aber sie gehen den Schritt eben nicht.

Welche Ängste verhindern einen Jobwechsel?

Mit dieser großen Hoffnung, dass es in einem neuen Job besser, leichter, entspannter wird, dass es da nettere, normalere, hilfsbereitere Kollegen gibt, sind gleichzeitig auch Ängste verbunden. Wenn der Schmerz groß genug ist, dann wollen wir weg. Wir wollen Veränderung und wir wollen Neubeginn. Aber das heißt eben auch, Unsicherheiten auszuhalten. Dazu gehört zum Beispiel die Frage: Werde ich überhaupt eine neue interessante Stelle finden? (Je älter man wird, desto größer ist oft die Angst davor.) Oder: Wie lange kann ich mich ohne Job über Wasser halten? Meine Familie, mein Kind versorgen? (Das sind echte Existenzängste, die sich hier melden.)

Im Moment ist Dein Job vielleicht schwierig und Du siehst auch gar nicht, dass sich das noch groß verändern kann; aber hier hast Du gefühlte Sicherheit: einen Vertrag, ein festes Gehalt. Unser Sicherheitsbedürfnis – oder eben die Angst davor, Sicherheit zu verlieren – hält uns oft zurück; so vertrauen wir dem unbefristeten Arbeitsvertrag mehr als dem Leben und dass alles schon irgendwie laufen wird oder dass uns jemand unterstützen wird, wenn es hart auf hart kommt.

Ein Jobwechsel kann nur eine wirkliche Perspektive sein, wenn Du auch bereit dazu bist.

Diese Ängste melden sich und halten uns von der Möglichkeit ab, den Jobwechsel wirklich durchzuziehen. Das geht so weit, dass viele Menschen einfach nichts tun und in ihrem Unglück verharren statt zum Beispiel vor einer Kündigung mal ihre Fühler auszustrecken, sich konkret auszumalen: Wo will ich denn eigentlich arbeiten? Wie und mit welchen Menschen? Wie stehen die Chancen? Vielleicht sogar mal Bewerbungen abzuschicken und zu schauen, was dann passiert.

Ein Jobwechsel kann nur eine wirkliche Perspektive sein, wenn Du auch bereit dazu bist – und bereit bist, die damit verbundenen Unwägbarkeiten in Kauf zunehmen. Statt vor dem großen Risiko den Schwanz einzuziehen, kannst Du auch erstmal vorsichtig die Fühler ausstrecken und schauen was vielleicht geht.

Wann macht ein Jobwechsel überhaupt Sinn?

Ein Jobwechsel macht dann Sinn, wenn Du ihn als Möglichkeit siehst, die Du auch umsetzen kannst und möchtest. Dann kann er tatsächlich dabei helfen, Schwierigkeiten in Deinem Berufsalltag hinter Dir zu lassen. Aber ich sehe den Jobwechsel vor allem als letzte Möglichkeit, um wieder produktiv, zufrieden und gesund zu arbeiten. Jobwechsel ist immer auch Flucht und damit ziemlich verführerisch: Kündigung und Neubeginn können der „einfache“, der „leichtere“ Weg sein.

Vor allem aber sehe ich den Jobwechsel als letzte Möglichkeit, weil Du viele der Probleme, die Du wahrscheinlich gerade in Deinem Job erlebst, auch in einem neuen Job erleben wirst. Das gilt insbesondere für Probleme mit Kollegen und Vorgesetzen. Dazu ein Beispiel aus meiner eigenen Geschichte:

Ich bin früher immer wieder mit meinem Chef aneinandergeraten, den ich für unausstehlich gehalten habe. Wenn er morgens zur Tür reinkam, hat mich das total gestresst; Wut und Enttäuschung sind in mir hochgestiegen, obwohl er noch nicht mal einen Satz gesagt hatte. Der Stress, den ich damals empfunden habe, hat mir über längere Zeit die Energie geraubt, hat mich immer wieder in den Ärger, in die Wut gebracht; auch in die Enttäuschung darüber, wie schlecht ich behandelt werde oder wie unfair er mit uns umgeht. Und diesen Stress, den habe ich mir vor allem selbst gemacht.

Ich bin früher immer wieder mit meinem Chef aneinandergeraten, den Stress habe ich mir vor allem selbst gemacht.

Natürlich kannst Du an den Führungsqualitäten von Kollegen und Vorgesetzten zweifeln – die sind mit Sicherheit nicht alle perfekt. Aber die Frage ist am Ende immer: ob Du Dir das aufbürdest. Ob Du Dir von kleinen Unstimmigkeiten Deine Freude am Job nehmen lässt. Ob Du in jede Konfrontation gehen musst … Und wenn das so ist und Du Dir den Stress selbst aufbürdest, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass es Dir eben nicht nur mit einer Person in einem Job so geht, sondern dass sich dieses Muster auch nach einem Jobwechsel wieder zeigen wird.

Vielleicht nicht gleich am Anfang – da hat man ja noch mehr Begeisterung und ist flexibler und sucht noch einen Platz im Team. Aber früher oder später kommt das Muster dann zurück; spätenstens, wenn sich erste Routinen einstellen. Deshalb möchte ich Dich davon überzeugen, vor dem Jobwechsel auch mal einen Blick auf zwei Alternativen zu werfen.

Welche Alternativen gibt es zum Jobwechsel?

Vielleicht hast Du den Spruch schon mal gehört:

love it, change it or leave it
(liebe es, verändere es oder lass es hinter Dir)

Über leave it (lass es hinter Dir) – haben wir ja schon ausführlich gesprochen: das ist der Jobwechsel. Hier geht es darum, die schwierige Situation, in der Du steckst, zu verlassen. Es gibt aber noch zwei andere Möglichkeiten: change it und love it.

Bei change it (verändere es) ist es Deine Herausforderung, die Dinge, die Dich in Deinem Berufsalltag stören, aktiv anzugehen, etwas dafür zu tun, dass sie sich verändern. Wie das geht, darüber haben wir in vielen vergangenen Podcast-Folgen gesprochen und Du hast ganz verschiedene Tools dafür kennengelernt. (Einige davon findest Du in der kostenfreien Gelassenheits-Toolbox.)

Change it heißt also: Du begreifst Dich als Mitgestalter Deines Arbeitslebens, Deiner Zufriedenheit und Gelassenheit. Da suchst Du zum Beispiel das Gespräch mit Kollegen, mit denen Du immer wieder aneinander gerätst. Oder, wenn Du Dich von der Arbeitslast erschlagen fühlst, versuchst Du hier, in Zusammenarbeit mit anderen Arbeit umzuverteilen, für Unterstützung zu werben, usw.

Du bist MitgestalterIn Deines Arbeitslebens, Deiner Zufriedenheit und Gelassenheit.

Und die andere Möglichkeit ist love it (liebe es, erkenne es an, akzeptiere es). Das läuft darauf hinaus, dass Du bestimmte Dinge, Schwierigkeiten oder Grenzen akzeptierst; akzeptierst, dass Du sie nicht verändern kannst. Ich glaube ja, dass vieles in Deiner eigenen Macht liegt – durchaus auch mehr als Du vermutlich im Moment siehst. Aber es gibt eben auch Dinge, die wirst Du aus Deiner Position heraus in absehbarer Zeit nicht verändern können.

Love it heißt hier, die gegebenen Herausforderungen anzunehmen. Auch diejenigen, bei denen Du nicht weiter kommst. Und akzeptierst, dass nicht alles in Deiner Macht liegt. Das heißt nicht, alles hinzunehmen! Sondern es heißt einfach: auch zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die nicht in Deiner Macht liegen – und damit okay zu sein.

Nichts wie weg! Warum ein Jobwechsel kein Allheilmittel ist

Du hast heute erfahren: Der Jobwechsel kann ein Ausweg sein und Dir neue Möglichkeiten eröffnen. Es kann aber auch passieren, dass Du nach dem Jobwechsel wieder in die gleichen Situationen gerätst, die Dir jetzt schon Stress bereiten. Und deshalb habe ich Dir zwei Alternativen vorgestellt:

  • Probleme in Deinem Berufsumfeld aktiv angehen und sie lösen
  • Schwierige, vielleicht unveränderbare Situationen als Teil des (Berufs-)Lebens akzeptieren

Wenn Du das Gelernte vertiefen möchtest und Deine Entscheidung für oder gegen einen Jobwechsel kritisch prüfen willst, nutze gerne das Arbeitsblatt zu dieser Podcast-Folge (findest Du in der Gelassenheits-Toolbox). Dort kannst Du eintragen, welche Handlungsmöglichkeiten Du für den jeweiligen Schritt (love it, change it, leave it) im Moment siehst.

P. S.: Sharing is caring :)

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