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Kennst Du diesen Moment, in dem irgendwie alles schwer ist? Wenn die Arbeit überhaupt keinen Spaß mehr macht? Wenn Du Dich durch den Arbeitstag quälst und Du überhaupt keine Motivation mehr hast? Solche Tage kenne ich noch gut von früher – deshalb möchte ich heute drei Tipps mit Dir teilen, die mir geholfen haben und die ich auch heute noch anwende, um die Motivation zurückzugewinnen.

Keine Motivation? So gehe ich mit der Unlust um [GG#13] Signature Bild

Diese Tipps solltest Du meiden, wenn Du keine Motivation mehr hast

Im Internet findest Du sehr viele Motivationstipps. Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich darunter einige gute Ratschläge entdeckt, aber auch immer wieder Tipps gesehen, die ich nicht unterstütze.

Schlechter Tipp #1: Belohnungen

Stell Dir vor, Du arbeitest in der Logistik und musst heute noch vierzig wichtige Lieferungen fertig machen. Um die Arbeit zu versüßen, denkst Du: „Danach gönne ich mir eine schöne Tasse Kaffee.“ Du hast Dir also eine Belohnung geschaffen – und diese Belohnung hängt nun die ganze Zeit vor Deiner Nase. Du darfst erst ran, wenn Du Deine Lieferungen fertig gemacht hast.

Ich finde nicht, dass eine solche Belohnung die Motivation für Deine eigentliche Aufgabe steigert – ganz im Gegenteil: Du quälst Dich immer noch durch die Versandlieferungen und denkst dabei jetzt auch noch an etwas, das Du im Moment nicht bekommst: Deine Belohnung.

Statt mit Belohnungen zu arbeiten, würde ich Dir raten, Deine große Aufgabe (die 40 Lieferungen) in kleinere Schritte runterzubrechen. Nach jedem erledigten Arbeitsschritt kannst Du kurz innehalten und das Geschaffte anschauen. Statt „Ich hab’s erst geschafft, wenn die 40 Lieferungen fertig sind“ kannst Du dann wertschätzen: „Wow! Fünf Pakete hab’ ich schon geschafft!“ – und der Fortschritt wird für Dich erfahrbar.

Schlechter Tipp #2: Zeitdruck

In manchen Artikeln raten die Autoren Dir, künstlich Zeitdruck zu schaffen. Das heißt, Du sollst Deinen Aufgaben ein frühes Verfallsdatum geben, auch wenn es das nicht gibt. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Vielleicht hast Du mehr Zeit dafür, aber Du sagst Dir: die 40 Lieferungen müssen bis heute Abend fertig sein. Der kurze Zeitraum soll Dich motivieren.

Manchmal funktioniert so ein „Selbstbetrug“ und steigert tatsächlich kurzfristig die Motivation. Vor allem hilft diese Technik dabei, etwas endlich fertigzumachen statt immer wieder aufzuschieben. Aber: den Druck zu steigern, wenn er schon sehr hoch ist, das ist keine gute Idee. Es funktioniert nur, wenn Du Dein Stressmanagement sicher im Griff hast.

Statt zusätzlichen Zeitdruck aufzubauen, könntest Du Dir überlegen: Wie viel Zeit brauchst Du wirklich und wie kannst Du Dir mehr Zeit schaffen? Zum Beispiel kannst Du oft Stress rausnehmen, in dem Du eine Deadline nach hinten verlegst. Wichtig: Hier geht es nicht um’s Aufschieben! Sondern es geht darum, dass Du überlegst, was Du tun kannst, um krassen Leistungsdruck zu reduzieren und dadurch langfristig leistungsfähig zu bleiben.

Diese Tipps helfen Dir wirklich, wenn Du keine Motivation mehr hast

Jetzt kommen wir aber wirklich zu den drei Tipps, die mir geholfen haben und immer noch helfen, wenn ich keine Motivation mehr habe. In der Gelassenheits-Toolbox findest Du hierzu übrigens auch ein Cheat Sheet, den „Remotivator“.

Guter Tipp #1: Wissen, wo Du eigentlich hin willst

Dieser erste Tipp hört sich vielleicht banal an, aber es ist wirklich wichtig, Dein Ziel zu kennen und zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn Du es erreichst. Woran wirst Du den Erfolg erkennen? In unserem Logistik-Beispiel könnte das Ziel ganz einfach sein: wenn die 40 Sendungen an die Post oder an die Spedition übergeben werden. Aber nicht immer ist das Ziel einer Aufgabe so eindeutig und einfach …

Oft arbeiten wir sehr kleinteilig vor uns her – beispielsweise Adressaufkleber an den Paketen anbringen – und verlieren darüber den Blick für den großen Zusammenhang: was machen wir da eigentlich – und wofür machen wir es? Also: Wenn keine Motivation mehr da ist, schau Dir mal genau an, was eigentlich gerade Deine Arbeitsaufgabe ist und wofür Du sie erledigst.

Guter Tipp #2: Große Ziele in kleine Schritte unterteilen

Manchmal sind wir im Klein-klein gefangen und brauchen den Blick über den Tellerrand hinaus, eben die Frage nach dem Was und Wofür; manchmal blockiert uns aber auch das ganz große Ziel, weil es einfach zu groß ist, als dass wir es bewältigen könnten.

Das kennst Du vielleicht aus Deinem Berufsalltag: Es gibt Arbeitsaufgaben, die sich wie Arbeitsberge anfühlen. Schon der Gedanke daran macht Dich 10 Kilo schwerer. Hier hilft es oft schon, das große Ziel in kleinere zu unterteilen, die einfacher handzuhaben sind. Das geht immer – und meistens lässt sich ein Ziel auch in beliebig kleine Schritte untergliedern.

Ein Beispiel: Ein neuer wichtiger Kunde soll mit einer Präsentation davon überzeugt werden, mit Dir und Deinen Kollegen zusammenzuarbeiten und Geld in Euch zu investieren. Es geht um ein Budget für mehrere Jahre – der Druck ist riesig – und es ist Deine Aufgabe, diese Präsentation zu machen. Wie kannst Du das jetzt verkleinern? Ganz einfach, in dem Du das „Präsentation machen“ in kleine Schritte aufteilst: eine Location finden und buchen, einen Termin mit den Kollegen abstimmen, die Präsentation gestalten, den Kunden einladen, die Präsentation üben, Raum und Technik vorbereiten, …

Die oben genannten kleinen Schritte können sogar noch weiter aufgesplittet werden: zum Gestalten der Präsentation gehört dann zum Beispiel, dass Du Dir eine Dramaturgie überlegst, Inhalte auf Folien verteilst, passendes Bildmaterial findest und aufbereitest, … Manche Dinge wirst Du selbst machen, andere kannst Du vielleicht delegieren. So oder so: Aus dem Riesenziel werden machbare Schritte.

Am besten nimmst Du diese kleinen Schritte wahr, wenn Du sie Dir aufschreibst oder aufzeichnest – beispielsweise in einem Kalender oder auf einer Wand mit Klebezetteln. Dann rückt das übergroße Ziel nämlich in den Hintergrund und Du siehst einzelne Arbeitspakete, die Du bewältigen kannst. Ich würde übrigens auch immer sichtbar machen, was schon erledigt ist: in dem Du die Zettel verschiebst, oder in dem Du grüne Haken an alle erledigten Schritte malst. Finde da Deine eigenen Methode – Hauptsache, Du siehst Deinen Fortschritt.

Guter Tipp #3: Deine Grenzen berücksichtigen

Mein letzter Tipp für Dich, wenn Du keine Motivation mehr hast, klingt ganz simpel, ist wahrscheinlich aber der schwierigste: Berücksichtige Deine Grenzen. Keiner von uns kann alles schaffen und nicht jeder kann gleich viel schaffen, das ist ganz normal, wir sind alle Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Wenn Dich eine Aufgabe überfordert, wenn sie Dich so blockiert, dann bringt es nichts, dran zu bleiben und sich durchzubeißen.

Die Blockade, die Dir da begegnet, ist ein wichtiges Zeichen Deines Körpers, dass es zu viel ist. Abhilfe schaffen kannst Du, wenn Du die schwierige Arbeit mal einen Moment zur Seite legst und Dich mit etwas beschäftigst, das leichter von der Hand geht. So kannst Du Deine Batterieren wieder aufladen und Du erlebst kleine Erfolge – und nicht nur Schwierigkeiten.

Wenn ich Dir dazu rate, schwierige Aufgaben erst mal ruhen zu lassen, meine ich damit nicht, die schwierige Arbeit ganz wegzuschieben, zu verdrängen, zu vergessen oder einfach nicht zu erledigen. Sondern ich meine: die schwierige Arbeit eine Weile ruhen zu lassen – sei es einen Arbeitstag oder seien es nur ein-zwei Stunden. Nimm Dir eine Pause von dem, was Dich blockiert, um danach zielgerichtet weiter arbeiten zu können.

Was tust Du, wenn keine Motivation mehr da ist?

Das sind also die drei Tipps, die mir geholfen haben, wenn ich keine Motivation mehr hatte: 1) Wissen, wo Du hin willst, 2) Große Ziele in kleine Schritte aufteilen und 3) Deine Grenzen berücksichtigen. In der Gelassenheits-Toolbox habe ich für Dich den „Remotivator“ hinterlegt; ein Cheat Sheet, das Dir dabei hilft, Deine Motivation zurückzugewinnen. (In der Toolbox findest Du übrigens viele weitere nützliche Selbstcoaching-Tools wie beispielsweise einen Stress-Selbsttest oder den Veränderungsschlüssel. Schau doch mal rein!)

Und jetzt interessiert mich: Was tust Du, wenn keine Motivation mehr da ist? Wo liegt für Dich die größte Hürde, wieder in die Kraft zu kommen und weiterzumachen? Wobei kann ich Dich unterstützen?

P. S.: Sharing is caring :)

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3 Kommentare

Romeo Disca sagt:

Hallo Patrick,

ich habe auf Twitter Deinen Tweet zum GG#13 gesehen und möchte Dir ein paar Gedanken dazu schreiben.

Deine guten Tipps #1 und #2 werde ich versuchen anzuwenden, wenn ich in der Hitze des Gefechts daran denken kann.

Im Grunde ist das ein Reframeing durch rein- und rauszoomen aus der momentan demotivierenden Situation.
Wenn man tief drin steckt, dann soll man sich das große Ganze vor Augen führen, um darin wieder Sinn zu finden, bei der ermüdenden Arbeit am Ball zu bleiben.
Das andere ist „Divide and Conquer“. Also die Überfordernde Situation in kleine, angehbare Teilaspekte aufzuteilen. (Im Grunde sich einen konkreten Plan zu machen, den man sukzessive abarbeitet.)

Zu Tipp #3 spricht der unter Softwareentwicklern sehr bekannte Robert C. „Uncle Bob“ Martin in seinem Buch The Clean Coder von Focus-Manna.
Wie Zauberer in einem Rollenspiel Manna benötigen, um Zaubersprüche auszusprechen, benötigt der Wissensarbeiter sozusagen die Muße (und den Focus) seine Arbeit zu verrichten.
Der Zauberer hat dabei einen Manna Vorrat. Jeder Spruch verbraucht ein bisschen von diesem Manna.
Der Speicher füllt sich nur über eine bestimmte Zeitdauer und Aktivitäten, wie Schlafen, unterschiedliche schnell auf.
Jeder Wissensarbeiter hat seinen individuellen Vorrat und maximales Kontingent.
Man kann jetzt überlegen, ob man gleich sein ganzes Manna verpulvert oder ob man strategischer vorgeht.

Onkel Bob rät sein Focus Manna mit nicht Fokus intensiven Aktivitäten aufzuladen.
Beispielsweise gibt es zum Focus-Manna auch ein Muscle-Manna. Also das Kontingent an Power, das man für „Muskelaktivitäten“ verbraten kann.
Dieses kann man schön nutzen, um zu de-fokussieren. Bspw. im Fitnessstudio oder bei der Gartenarbeit.
Diese De-Fokussierte Aktivität lädt dann wieder das Focus-Manna auf. Es ist natürlich individuell abhängig, wie schnell.

Ein Wechsel zwischen fokussierter und de-fokussierter Arbeit ist notwendig, um am Ball zu bleiben, die Batterien aufzuladen und Motivation zu schöpfen.

The Clean Coder von Robert C. Martin ist sehr lesenswert. (Nicht nur für Softwareentwickler)
Er spricht über viele Dinge, die einen Profi als Profi ausmachen.

Romeo Disca sagt:

Sorry, Patrik, habe Deinen Namen falsch geschrieben.

Patrik Frauzem sagt:

Hallo Romeo,

Du nennst einen wichtigen Punkt: die „Hitze des Gefechts“! :) In Stresssituationen greifen ja unsere Stressmuster (alte Automatismen, die schon seit der Steinzeit in uns drin sind). Rein- und rauszoomen gelingt dann besonders gut, wenn man sein eigenes Stressmuster schon kennt und im Moment des Geschehens Ruhe bewahrt statt sich davon mitreißen zu lassen. Dahin kommt man mit Achtsamkeitsübungen, Meditation oder Selbstreflexion.

Die Analogie mit dem „Manna“ finde ich total klasse. Viele Menschen laden ihre aufgebrauchten Batterien vor allem durch solche „defokussierten“ Aktivitäten – wie Sport, Hobby, Party – auf. Das ist auch richtig und wichtig. Mit meinen KlientInnen schaue ich allerdings auch hin, wie wir das „fokussierte“ Arbeiten so gestalten können, dass Produktivität, Zufriedenheit und Gesundheit wieder möglich werden.

Vielen Dank für Deine hilfreichen Ergänzungen!

Herzliche Grüße,
Patrik