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Work-Life-Balance – ein Begriff, den Du bestimmt schon mal gehört hast. Eine Zeit lang war er sehr verbeitet in den Karriereteilen der Tageszeitungen, in den Manager-Magazinen und im Fernsehen. Die Idee, die hinter der Work-Life-Balance steckt, ist es, einen Ausgleich, ein Gleichgewicht, eine Balance zu schaffen zwischen „work“ (Arbeit) – und „life“ (Leben).

Hört sich ja erstmal ganz vernünftig an, dass wir uns mit der Arbeit nicht überfordern, sondern auch für die schönen Dinge des Lebens Zeit und Energie haben: für ein Hobby, für’s Lesen oder Kochen, für Freunde und Familie. Auch zu dieser Idee gehört dazu, dass Mitarbeiter, die auf diese Weise Energie tanken, ausgeglichener sind und auf der Arbeit mehr leisten können. Deswegen haben auch die ganzen Manager-Magazine und Bücher zum Thema reißenden Absatz gefunden.

Ich möchte heute mit Dir mal hinschauen, ob diese Idee der Balance zwischen work und life wirklich so viel Sinn macht, und was Du anstelle dieses Ausgleichs tun kannst, um langfristig produktiv, zufrieden und gesund zu arbeiten.

Work-Life-Balance – Dein Ausgleich zwischen Job und Leben? [GG#23] Signature Bild

In den Podcast-Folgen #2 bis #6 haben wir ausführlich darüber gesprochen, dass es verschiedene Systeme oder Lebenswelten gibt, in denen Du unterwegs bist; und dass Du dort auch verschiedene Rollen einnimmst. Im Job alleine übernimmst Du schon eine Vielzahl unterschiedlicher Rollen – und im Privatleben dann natürlich noch mal andere. Daher ist es verständlich, dass es diesen Begriff der Work-Life-Balance gibt und sich viele Menschen damit beschäftigen.

Ich glaube allerdings, dass der Begriff an ein paar Stellen nicht so gut passt für das, was wir eigentlich tun müssten, um gelassener zu werden. Unstimmigkeiten sehe ich an drei Stellen – und die möchte ich Dir im Folgenden vorstellen.

Work-Life-Balance Unstimmigkeit #1: Work

Im Interview mit Stefan Müller von kickinthepants ging es ja schon mal darum, wie sich unsere Arbeitswelt derzeit verändert. Durch die Digitalisierung, die Vernetzung und neue technologische Möglichkeiten entstehen auch neue Formen der Zusammenarbeit: oft und immer mehr international, über Grenzen und Zeitzonen hinweg … In meinem letzten Job als Angestellter habe ich die Mitglieder eines internationalen Berufsverbandes in 40 Ländern betreut. Das heißt es war nicht selten, dass Telefonkonferenzen stattfanden, die die gewöhnlichen deutschen Bürozeiten gesprengt haben.

Was ist Arbeit eigentlich ganz genau? Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Und auch vor all dem, vor der einfachen Zusammenarbeit über das Internet, noch weit vor dem Mobiltelefon, gab es schon so Konzepte wie Home Office, häusliche Arbeitszimmer, (schon sehr viel früher auch) Heimarbeit. Wenn es um das Wort work geht, möchte ich auf Folgendes hinaus: Was ist Arbeit eigentlich ganz genau? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Gehst Du um Punkt 17 Uhr aus dem Büro und bist dann nicht mehr am arbeiten? Oder arbeitet die Arbeit nicht eigentlich noch in Dir nach? Oder morgens vor der Zeit im Büro: Denkst Du gar nicht daran, was der Tag bringen wird, bereitest Dich gedanklich nicht darauf vor? Die Frage ist also: Wie stark kann man Arbeit eigentlich vom restlichen Leben isolieren?

Work-Life-Balance Unstimmigkeit #2: Life

Denn genau das wird der Arbeit (work) ja gegenübergestellt: das Leben (life). Das finde ich wirklich merkwürdig! Ist es nicht so, dass Arbeit ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens ist? Wenn das so ist, wie könnte ich dann Arbeit und Leben gegenüberstellen und versuchen, die beiden auszugleichen?

Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Und auf der Arbeit tobt das pure Leben.

Und andersherum: Tobt auf der Arbeit nicht eigentlich das pure Leben? Ein Großteil unseres Lebens spielt sich im Job ab. Da sind wir mit anderen zusammen, da lernen und wachsen wir. Ist das nicht Leben pur?

Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass mit life das Privatleben (im Unterschied zum Berufsleben) gemeint wäre, dann sind wir wieder zurück beim ersten Punkt, beim Wort work und bei der Frage, wo denn heute eigentlich die Grenzen liegen …

Work-Life-Balance Unstimmigkeit #3: Balance

In der Work-Life-Balance steckt auch die Idee, hier müssten zwei Dinge (Arbeit und Leben) in Balance stehen oder sogar gleich stark ausgesprägt sein. Doch wer entscheidet das? Sind das die Autoren, die über Work-Life-Balance schreiben? Sind das die Trainer, die Führungskräften und Teams erzählen: So viel Zeit für’s Büro und so viel Zeit für Familie und Freunde, dann habt Ihr ausgelichene und produktive Mitarbeiter!?

Oder bist das nicht viel eher Du? Also: sind es nicht die Einzelnen, die für sich entscheiden: so wichtig ist mir meine Arbeit und deshalb verbringe ich auch so und so viel Zeit damit. Und so wichtig sind mir meine Freunde, meine Hobbies, daher schaffe ich für sie entsprechend Raum.

Die Work-Life-Balance macht uns glauben, diese zwei Dinge müssten sich die Waage halten.

Balance macht uns glauben, zwei Dinge müssten sich die Waage halten. Aber auch zum Beispiel wenig Energie für’s Büro und viel für die Familie kann eine gesunde Arbeits- und Lebenseinstellung sein. Oder umgekehrt: Wenn jemand in jungen Jahren viel Energie in den Job steckt, da etwas entwickelt, daran wächst, dann ist das ist auch eine ganz wertvolle Arbeits- und Lebenseinstellung.

Es liegt also beim Einzelnen, es liegt bei bei Dir, zu entscheiden, wie Du arbeiten und wie Du leben möchtest.

Work-Life-Balance – Dein Ausgleich zwischen Job und Leben?

Normalerweise gebe ich Dir zum Abschluss eines Beitrag Anreungen mit auf den Weg. Heute könnten das Anregungen dazu sein, wie man Arbeit und Leben in ein gesundes Verhältnis zueinander bringen kann. Aber das wäre dann nur meine Sicht. Mich interessiert vor allem, was Du von der Work-Life-Balance hältst, wie wichtig Dir ein Ausgleich ist und wozwischen und womit Du ausgleichst?

Gerne kannst Du auch erzählen, wie die Balance für Dich aussieht: Teilst Du irgendetwas 60 zu 40 oder 70 zu 30? Was ist Deine Idee von einem gesunden Arbeits- und Lebensstil? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!
In der Gelassenheits-Toolbox findest Du zu dieser Folge übrigens ein Arbeitsblatt mit Impulsfragen, wenn Du Dir nochmal klar machen möchtest, was work, life und balance eigentlich für Dich ganz persönlich bedeuten.