In der heutigen Podcast-Folge geht es um ein Thema, das sehr eng mit mir und meiner Geschichte verbunden ist: Yoga. Ich erzähle Dir davon, da ich glaube, dass Dir dieses Thema eine neue Perspektive eröffnen kann – gerade wenn Du im Job feststeckst oder Dein Arbeitsleben als belastend empfindest.

Yoga: Mehr als Sport oder Entspannungsübungen bei Stress [GG#16] Signature Bild

Yogische Vielfalt – auch im Westen

Yoga ist wahnsinnig vielfältig Vielleicht bist Du dem schon mal begegnet:

  • … als „Sportart“ oder als Sportkurs im Fitnessstudio
  • … im Zusammenhang mit Meditation: sich in eine bestimmte Sitzhaltung bringen und in die Stille begeben
  • … als eine Philosophie: eine Art, die Welt zu betrachten und mit ihr umzugehen
  • … als Askese wie sie beispielsweise in einem Ashram gelebt wird

Dass es bei uns so viele unterschiedliche Bilder von Yoga gibt, liegt auch daran, dass Yoga auch in der westlichen Welt immer weiter gewachsen ist: Es haben sich verschiedene Stile herausgebildet, die die traditionelle Yogapraxis modern gestalten oder neu interpretieren. Es haben sich Berufsverbände geformt: Lobbies, die sich für den einen oder den anderen Stil aussprechen. Es gibt Cross-overs, das heißt Yoga wird mit anderen Dingen verbunden, beispielsweise mit Cycling oder Cross-fit.

Und Yoga wurde und wird natürlich auch stark kommerzialisiert: Es gibt nicht nur Yogastudios, in denen man Yoga machen kann, oder Yogaschulen, die auch Lehrer ausbilden; sondern es gibt auch jede Menge Fachzeitschriften, Hersteller und Händler für Yogazubehör oder Yogakleidung; es finden Yogaevents statt: Konferenzen, Festivals, Retreats, Workshops und Reisen; und es gibt mittlerweile auch ein sehr breites Yoga-Angebot online.

Yoga ist also ein riesen Thema, das Dir auf die eine oder andere Weise schon mal über den Weg gelaufen ist.

Yoga: Mehr als Sport oder Entspannungsübungen bei Stress

Wenn ich Dir jetzt davon erzähle, was Yoga für mich bedeutet, geht es mir nicht darum, Dich zu überzeugen. Wir müssen nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Ich möchte Dir vielmehr zeigen, wie Yoga (auch) aussehen kann oder gedacht werden kann. Es geht mir darum, Deine Perspektive auf Yoga zu erweitern. Vielleicht kannst Du dann irgendwo anknüpfen oder bekommst gar Lust dazu, das auch mal auszuprobieren; oder, wenn Du schon Yoga praktizierst: vielleicht die Praxis mal anders zu sehen oder anzugehen.

Yoga heißt „Einheit“ oder „Vereinigung“. Der Begriff hat noch viele weitere Bedeutungen, aber diese beiden erscheinen mir besonders passend. Wenn Du Dich als Mensch mal in den Mittelpunkt stellt, dann kann Yoga zum Beispiel die Einheit oder Vereinigung von Körper und Geist beschreiben. Das Witzige dabei ist, dass Körper und Geist ja schon eine Einheit sind: Dein Geist, Dein Bewusstsein steckt in Deinem Kopf; aber so denken wir das oft nicht …

Yoga: Die Energie zwischen Körper und Geist wieder zum Fließen bringen

Das kennst Du vielleicht: Wenn Dein Körper Dir in Stresssituationen kleine Warnzeichen schickt – Stresssymptome wie Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen – nimmst Du die lange Zeit gar nicht wahr. Solange, bis die Symptome schlimm genug sind, dass Du darauf aufmerksam wirst. Hier bilden Körper und Geist also keine so gute Einheit – obwohl sie es eigentlich sind. ;)

Im Yoga geht es nach meinem Verständnis eben (auch) darum, diese Einheit zwischen Körper und Geist wieder herzustellen. Oder besser gesagt – weil Körper und Geist ja schon eine Einheit darstellen – die Einheit wieder zu fühlen; oder noch etwas spiritueller ausgedrückt: die Energie zwischen Körper und Geist wieder zum Fließen zu bringen.

Eine körperlich erfahrbare Praxis

Das Tolle am Yoga ist, dass wir Yoga nicht verstandesmäßig angehen müssen. Deshalb klappt das auch so gut mit dem Wiederherstellen der Einheit. ;) Deinen Verstand gebrauchst Du ja schon den ganzen Tag … Yoga erfährst Du hingegen erst mal körperlich. Yoga ist zwar auch eine Geistespraxis – darauf gehe ich später noch ein – aber der Zugang dazu erfolgt zunächst körperlich. Eben durch das, was Du wahrscheinlich kennst: die Körperhaltungen und Körperbewegungen.

Und für diese Körperarbeit gibt es ganz verschiedene Stile und Herangehensweisen. Und es gibt – davon bin ich überzeugt – für jeden ein passendes Yoga, mit dem er einsteigen kann: für sportlich-aktive Menschen, die sich auspowern wollen; für Menschen, die Entspannungsübungen bei Stress suchen; und auch für Menschen mit Übergewicht, mit Einschränkungen oder im hohen Alter gibt es ein Angebot.

Die Wiederherstellung der Einheit

Vielleicht bewegst Du Dich regelmäßig, gehst joggen oder spazieren, und fragst Dich jetzt, wo der Unterschied zum Yoga liegt? Der Unterschied ist zunächst gar nicht so groß. Beim Spazieren fließen beispielsweise die Gedanken besser, es „bewegt“ sich was (im Geist wie im Körper); und bei einem fordernden Lauf erlebt man den eigenen Körper ganz anders und viel intensiver.

Im Yoga begeben wir uns allerdings in bestimmte Körperhaltungen, die ganz bestimmte Wirkungen haben – körperlich, energetisch und geistig. Und in einer richtig guten Yogastunde sind die einzelnen Übungen so aufeinander abgestimmt, dass bestimmte Wirkungen und Ergebnisse erzielt werden.

Um die Einheit zwischen Körper und Geist wieder herzustellen, gibt es im Yoga zudem ein zentrales Element, das beim Laufen oder beim Spazieren nicht im Fokus steht: Deinen Atem. Wir atmen im Alltag eher flach und kurz, nutzen Räume und Volumen im Körper nicht aus. Im Yoga nutzen wir diese Räume nicht nur, sondern erweitern sie sogar ganz aktiv.

Den Atem erfahren heißt Yoga erfahren

Im Yoga wird bewusst, lange und tief geatmet. Nicht nur mit der Lunge, sondern mit dem ganzen Körper. Deine Atmung und Deine Bewegungen finden synchron statt – eine tolle Erfahrung! Wer das nicht gewohnt ist, den kann es auch zuerst überfordern, sich auf so einen bewussten, tiefen und synchronisierten Atem einzulassen; aber vielleicht gibt es die Gelegenheit, dass Du das mal ausprobierst und schaust, ob Du da für Dich eine neue Erfahrung machen kannst.

Yoga ist nämlich eine Erfahrungspraxis: Yoga erfährst Du dadruch, dass Du es ausprobierst. Pattabi Jois, ein ganz bedeutender Yogi der Ashtanga-Tradition, hat mal gesagt: „Yoga ist 99 Praxis und nur 1 Prozent Theorie.“

„Yoga ist 99 Praxis und nur 1 Prozent Theorie.“ –Pattabi Jois

Und mit dieser Praxis ist vor allem eben der körperliche Zugang gemeint. Meine Freundin, die Ashtanga-Yoga-Lehrerin Marie, sagt: „Yoga ist vor allem Geistesschulung“ – und das ist auch total richtig – aber es ist eben praktische Geistesschulung, oder: körperlich erfahrene Geistesschulung. Dadurch dass Du körperlich etwas machst und Dich forderst, bewegt sich auch etwas im Geist – das sind die 99 % Praxis. Das ist also, hier an dieser Stelle schon, ein Aufruf an Dich, Yoga einfach mal auszuprobieren

Yoga als Entspannungsübungen bei Stress

Bisher haben wir noch nicht darüber gesprochen, wie oder warum Yoga überhaupt entstresst – oder ob es das überhaupt tut. Hier möchte ich Dir gerne zwei Thesen mit auf den Weg geben, die ich persönlich zu Yoga habe, und von denen ich glaube, dass sie sehr wertvoll für Dich sind, vor allem, wenn Du sie mal praktisch ausprobierst.

These #1: Yoga hilft Dir dabei, innezuhalten – auch in stressigen Momenten

Das ist eine Erfahrung, die ich selbst gemacht habe. Ich praktiziere Yoga seit über zehn Jahren (und immer mal wieder auch Meditiation) und habe das Gefühl, durch die regelmäßige Praxis viel ruhiger geworden zu sein. Auch lasse ich mich in Stresssituationen nicht mehr so leicht mitreißen.

Im Stress geraten wir ja schnell in die drei typischen Stressmuster: Kampf, Flucht oder Schockstarre:

  • Entweder Du schlägst (meistens verbal) direkt zurück oder
  • Du gehst einer Auseinandersetzung aus dem Weg oder
  • Du bist wie gelähmt und kriegst gar nichts mehr geregelt.

Durch regelmäßiges Yoga kann es Dir gelingen, nicht nach diesen Mustern zu reagieren, sondern erst mal gelassen zu bleiben und die Situation mit etwas Abstand zu betrachten.

These #2: Yoga hilft Dir dabei, dem eigenen Körper zuzuhören

Während einer Yogastunde geht es viel darum, den eigenen Körper wahrzunehmen. Richtig gute Lehrer weisen immer wieder darauf hin, sich nicht zu überfordern. Fordern ist okay, aber überfordern eben nicht. Ein schmaler Grat, für den wir erst eine Sensibilität entwickeln müssen. Wir lernen, ganz genau in uns reinzuhören, was der Körper jetzt kann und braucht – und was eben nicht.

Und das hilft Dir auch in einem stressigen Berufsalltag. Wenn es in Richtung Überlastung geht schickt Dir Dein Körper (superschlau!) Symptome: Schlafstörungen, Magenprobleme, Rückenschmerzen – das sind ganz klassische Stresssymptome, die Dein Körper auch als Signal dafür erzeugt: hier ist Schluss; pass jetzt mal auf; lade Deine Batterien wieder auf. Yoga hilft Dir dabei, diese Warnzeichen früher wahrzunehmen.

Yoga: Mehr als Sport oder Entspannungsübungen bei Stress

Du merkst schon: Ich habe eine große Faszination für Yoga. Auch bin ich davon überzeugt, dass Yoga Dir helfen kann – mit Stress sowie ohne Stress. Die ganze Theorie, über die wir jetzt gesprochen haben, kann natürlich nur der kleinste Teil von Yoga sein. Yoga musst Du erfahren und deshalb möchte ich Dich überzeugen, in Deiner Nähe ein Yogastudio aufzusuchen, dort eine Probestunde zu machen, oder vielleicht sogar verschiedene Studios und Stile auszuprobieren, wenn es in Deiner Nähe ein größeres Angebot gibt. Dabei wünsche ich Dir viel Freude!

Wenn Du Fragen dazu hast, was Yoga für Dich tun kann, oder wenn Du Bedenken hast, über die Du Dich austauschen möchtest, dann hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreib mir!